Freitag, 29. August 2008

entwickler.com Magazine Konferenzen Akademie Entwickler-Forum Jobbörse Bücher
Software & Support Verlag




Oktober 2007
aus Entwickler-Magazin Ausgabe: 6.2007
Castalia 5: Pimp my IDE
Erweiterung für Borland Developer Studio
Thomas Pfister

Ist möglicherweise im Bereich der Features die Entwicklungsumgebung Microsoft Visual Studio 2005 aktuell mit etwas Vorsprung unterwegs, so sind sowohl die Delphi-Versionen als auch das Borland Developer Studio im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit und Unterstützung des Entwicklers bei der täglichen Arbeit noch immer besser. Aber es gibt selten etwas, das nicht verbessert werden kann. Für die Entwicklungsum- gebung von CodeGear gibt es verschiedene IDE-Erweiterungen auf dem Markt. In den Bereich der Freeware fallen unter anderem die DDevExtensions und ModelMaker als auch Castalia. Nachfolgend soll Castalia 5 vorgestellt werden.


Mit dem Borland Developer Studio 2006 hat Codegear im Sommer 2006 eine Light-Version von Castalia 4 veröffentlicht. Mit dieser Version sind einige Kern-Features von Castalia verfügbar. Um jedoch den vollen Leistungsumfang nutzen zu können, ist der Kauf der uneingeschränkten Vollversion notwendig. Neben der Einschränkung von Features ist die Version 4 im Hinblick auf Performance nicht mehr mit der aktuellen Version 5 vergleichbar. Auch die Geschwindigkeitserfahrungen der Entwickler mit der Light-Version sind nicht auf diese Version übertragbar.

Die Light-Version arbeitet übrigens nicht mit dem aktuellen Delphi 2007 zusammen. Ob Codegear noch eine passende Light-Variante zur Verfügung stellen wird, ist derzeit nicht bekannt. Die aktuelle Version ist 5.1 und steht allen registrierten Castalia-5-Anwendern zur Verfügung. Unterstützung bietet diese Version für Delphi 5 bis 2007. An Sprachen wird neben Object Pascal auch C++ und C#, zumindest rudimentär, unterstützt.

Effiziente Werkzeuge
Nach der Installation und Integration in die IDE kann nun in Delphi der erste Rundgang in Castalia beginnen. Im Code-Bereich der Applikation wählen Sie aus dem Demoverzeichnis die Applikation Football aus. Sie sehen nun, dass oberhalb des Quelltextes ein neuer Bereich aktiviert wurde. Hier können Sie sehr schnell zu den jeweiligen Informationen, Klassen und Methoden springen. Auf der linken Seite werden alle enthaltenen Units der aktuellen Unit angezeigt. Mit Icon werden zudem die Codegear-Units differenziert angezeigt. Direkt daneben manövrieren Sie sehr einfach zwischen den einzelnen Bereichen der Pascal-Datei. In den zwei Combo-Boxen werden die Klassen und Methoden angezeigt, und bei einem Klick auf einen Eintrag wird direkt im Quelltext der richtige Ort aktiviert.

Damit sind Sie schon mittendrin in der Pascaldatei. Hier wird sofort ein optischer Mehrwert sichtbar: Das so genannte Structural Highlighting. Das heißt, dass die Kontrollbefehle schön miteinander verbunden werden und der Entwickler auf einen Blick die Struktur des Algorithmus sieht. Mit dem Freeware-Addon Delphi Formatter kombiniert, haben Sie nicht nur eine optisch ansprechende Form des Quellcodes, sondern auch effizient lesbaren Quelltext zum Bearbeiten zur Verfügung. Daneben erkennen Sie in Zeile 262 und auch 274ff nach dem Sprungbefehl exit an den optischen Symbolen, dass hier die Schleife verlassen wird. Die Zeilennummer ist bekanntlich seit Delphi 8 in der IDE von Borland/Codegear enthalten. In älteren Delphi-Versionen wurde dies schmerzlich vermisst. Mit Castalia werden nun auch bei älteren Delphi-Varianten die Zeilennummern angezeigt, die farblichen Markierungen wie in Delphi 2005 und höher jedoch nicht. Mit der Inline Variable Declaraction muss nicht mehr jede Variable manuell im jeweiligen Bereich der Methode angelegt werden. Sie geben einfach im Quelltext

Var s:string

ein. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

procedure TMainForm.Button1Click(Sender: TObject);
var
s: string;
begin
s
end;

Mit „:= ‚Hallo Welt‘ wird flüssig programmiert. Auch die optische Anzeige der zusammengehörenden Klammern bei Pascal-Operationen macht das Entwicklerleben oftmals etwas einfacher. In diesem Zusammenhang ist auch die automatische Zeilenumschaltung zu erwähnen. Bekanntlich kann eine Pascal-Befehlszeile sehr lang sein. Dass dies nicht unbedingt für eine gute Lesbarkeit sorgt, ist sicherlich klar. Und Castalia bietet hier eine sehr elegante Lösung. Castalia fügt automatisch die Verbindungsinformationen ein.

Live-Syntax-Check mit Macken
Standardmäßig aktiv ist auch die so genannte Live-Syntax-Checking-Funktion, und ganz wichtig zu wissen, dass man diese Option deaktivieren kann. Warum wird hier so nachdrücklich auf die Deaktivierung hingewiesen? Diese Option prüft umgehend, und zwar bevor der Befehl überhaupt fertig ist, die Syntax, und dadurch ist immer ein Fehler oder vielmehr ein Hinweis in der IDE sichtbar. Immerhin wurde die Performance erheblich gesteigert. Auf einer aktuellen Entwicklermaschine ist diese Parsing-Arbeit im Hintergrund nicht spürbar.

Bevor Sie nun in den doch sehr umfangreichen und mächtigen Bereich der Code-Templates wechseln, sind noch zwei weitere Features besonders erwähnenswert. Sicherlich wird jeder schon mit dem Firefox-Browser gearbeitet haben. Und hier ist die Suchmaske aus meiner Sicht sehr intuitiv und elegant gelöst. Exakt die gleiche Funktionalität liegt mit Castalia innerhalb des Delphi-Quellcodes vor. Mit der Tastenkombination [Strg F] wird statt des alten Delphi-Suchfensters das mit Firefox‘ Suche vergleichbare Fenster aufgerufen. Gerade Entwickler von Datenbankapplikationen nutzen oftmals spezielle Programme, um SQL-Statements zu generieren, auszulesen und in den Programmen zu nutzen. Wenn nun der mehrzeilige SQL-Befehl in die Zwischenablage kopiert wird, müssen Sie mit Castalia nur Multipaste im Menü auswählen und können dann sehr komfortabel sowohl davor als auch danach Pascal-Befehle eintragen.

Code-Templates
Doch nun zu den Code-Templates innerhalb von Castalia. Codegear hat in den letzten Versionen von Delphi auch mächtige Code-Templates implementiert. Hier gibt der Entwickler bekanntermaßen das Kürzel ein und lässt den Code mit [Strg J] vervollständigen. Bei Castalia genügt die Leertaste, und wenn die Funktion unabsichtlich aktiviert wird, reicht die Backspace-Taste, um unverändert weiterarbeiten zu können. Was ist nun der Vorteil von Castalia? Im ersten Moment fast keiner, aber insbesondere die Kombination mit der oben dargestellten Inline Variable Declaration ist gegenüber dem Standard noch mit einem nicht zu unterschätzenden Vorteil verbunden. Weiterhin ist die Entwicklung neuer Code Templates leichter und innerhalb kürzester Zeit realisiert. Damit wird ein weiterer Baustein zur höheren Produktivität gelegt. Um von einer Einfügposition zur nächsten zu springen, drücken Sie die [Esc]-Taste. Dies ist anfangs etwas ungewöhnlich. Der beiliegende Editor ist sehr intuitiv zu benutzen und erlaubt sowohl die Änderung bestehender Templates als auch die Anlage von neuen für jede der drei Sprachen des Borland Developers Studio.

Der Ausflug in den C++- und C#-Bereich ist an dieser Stelle nur sehr kurz. Castalia ist primär für Object Pascal gedacht. Möglicherweise wird es in den nächsten Releases im C-Bereich Erweiterungen geben. So sind bei der SurroundWith-Option noch die Pascal-Sprachkonstrukte enthalten und werden nicht in der C++-Syntax angezeigt. Im C#-Umfeld verhält es sich analog.

Komponenten gezielt ausblenden
Im visuellen Bereich gibt es mit Castalia eigentlich nur eine Nice-to-have-Funktion: Hide and Show non-visual components: Damit werden sämtliche nicht-visuelle Komponenten auf dem Formular ausgeblendet. Gerade im GUI-Bereich ist oftmals eine Überladung mit Komponenten zu beobachten, die für eine Arbeit im visuellen Bereich hinderlich sind. Hier schaut man mit Wehmut in Richtung WinForm, bei dem diese Komponenten außerhalb der eigentlichen Form liegen. Mit dieser Option ist ein ungestörtes Arbeiten im Formular möglich.

Castalia speichert über das Projekt diverse Statistiken in einer INI-Datei mit STAT-Endung im Applikationsverzeichnis und zeigt diese in einer Grafik an. Die Statistik zeichnet allerdings auch weiter auf, wenn man die IDE geöffnet hat und einen Telefonanruf hat oder einfach im Entwicklerforum nach der Lösung eines Problems sucht. Zusammenfassend kann man sagen, dass mit Castalia ein sehr mächtiges Tool zur Verfügung steht, um die tagtägliche Entwicklerarbeit effektiver und effizienter zu gestalten. Die Kosten sind sehr schnell amortisiert und erleichtern das Programmieren mit Codegear Delphi spürbar.


    Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann abonnieren Sie das Entwickler Magazin direkt über unser Online-Formular.



zur vorherigen Seite
zurück
an den Anfang der Seite
nach oben
Diesen Artikel drucken
drucken
Diesen Artikel weiterempfehlen
empfehlen
Software & Support Verlag GmbH