Freitag, 21. November 2008

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Freitag, 18. Juli 2008

"Virtualisierung ist eine treibende Kraft für den gesamten IT-Sektor" Vishal Sikka, CTO bei SAP

Virtualisierung hat sich unter anderem im Zusammenhang mit Kostensenkung und höherer Flexibilität zu einem wichtigen Trend entwickelt. Wir sprachen mit Vishal Sikka, Chief Technology Officer bei SAP über die Sicht seines Unternehmens auf diesen Bereich.

Wie sieht SAP das Thema Virtualisierung?

Vishal Sikka: Wir sehen in der Virtualisierung eine Schlüsseltechnologie, die unser gesamtes Angebot betrifft. Wir haben die Bedeutung dieser Technologie bereits vor etlichen Jahren erkannt und entsprechend gehandelt. Mit dem Werkzeug "Adaptive Computing Controller", das Bestandteil der Technologieplattform SAP NetWeaver ist, stellen wir nun seit vier Jahren ein eigenes Tool zur Verfügung.

Virtualisierung wird häufig in Bezug auf die IT-Infrastruktur betrachtet – etwa in Verbindung mit Betriebssystem, Netzwerk, Speichersystemen oder dem gesamten Rechenzentrum. Virtualisierung umfasst jedoch mehr als nur die Infrastruktur. Ich sehe sogar die Möglichkeit, dass unser Portfolio künftig auf alle Ebenen virtualisiert sein wird. Von der Konsolidierung der Anwendungen auf eine physikalische Maschine - um die Gesamtkosten zu senken - bis hin zur Virtualisierung von Programmiersprachen – die Technologie verändert sich laufend. Auf jeder Ebene.

Sehr allgemein betrachtet, glaube ich, dass die Virtualisierungstechnik es uns grundsätzlich ermöglicht, unsere IT-Systeme ständig anzupassen, ohne dabei aber die hohen Investitionen von Kunden in bestehende Systeme zu gefährden, oder ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit zu kompromittieren. Virtualisierung ist auch entscheidend, wenn es um dynamische Nutzung einer Server-Farm und die Lastverteilung der Anwendungen geht. Virtualisierungstechniken werden heute bereits erfolgreich in Grid- und Cloud-Computing-Infrastrukturen eingesetzt. Welche Bedeutung wir der Virtualisierung beimessen, kann man auch daran erkennen, dass wir eine Community zum Thema "Virtualisierung" gegründet haben. Zusammen mit AMD, Cisco, Citrix, EMC, HP, Intel, NetApp, Novell, Red Hat, Sun und VMWare haben wir die Enterprise Virtualization Group ins Leben gerufen, um gemeinsam an der Zukunft der Infrastruktur-Virtualisierung zu arbeiten.

Vishal Sikka, Chief Technology Officer bei SAP
Vishal Sikka, Chief Technology Officer bei SAP

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang SaaS – also Software as a Service?

Vishal Sikka: SaaS ist als Sonderfall des Konsolidierungsproblems zu betrachten. Die Instanzen unterscheiden sich lediglich in den Erweiterungen der Basisanwendung, man denke an kunden- oder länderspezifische Anpassungen oder an Branchenlösungen. Diese Homogenität ermöglicht die Virtualisierung auf der Anwendungsebene und führt damit zu einem weitaus höheren Konsolidierungsgrad. Durch die Multi-Tenancy-Technologie können Unternehmen Anwendungsinstanzen gemeinsam nutzen, während ihre Daten gleichzeitig geschützt und nur für sie zugänglich bleiben.

Aber auch die Multi-Tenancy-SaaS Anwendungen entwickeln sich ständig weiter. Mit den Anwendungen der ersten Generation, beispielsweise für das Personal- oder Kundenmanagement, konnten die Nutzer eigentlich nur Felder speichern und wiederherstellen. Heute sind hochentwickelte Anwendungen - wie für die Produktionsplanung oder die Gehaltsabrechnung für hunderttausend Mitarbeiter - im Einsatz. Umso komplexer SaaS-Lösungen werden, desto mehr müssen neue Virtualisierungstechniken auf der Anwendungsebene entwickelt werden. Wir arbeiten jedenfalls daran.

Welche Bedeutung hat dabei SOA – oder wie man bei SAP sagt Enterprise SOA?

Vishal Sikka: Enterprise SOA ermöglicht es, verteilte Anwendungen zu entwerfen, die in einer losen Form interagieren. So kann jede einzelne Anwendung modifiziert werden, ohne dabei andere Anwendungen zu beinträchtigen. In On-Premise-Umgebungen hilft SOA, selbst komplexe Geschäftsprozesse durch Enterprise-Service-Module zu bilden, anstatt eine monolithische Lösung einzuführen.

Jede dieser Komponenten muss durch eine Virtualisierungs-Infrastruktur verwaltet werden. In einer SaaS-Umgebung ist SOA notwendig, um die im Netz bereitgestellten Services mit fest installierten Anwendungen oder anderen gehosteten Services zu integrieren. Enterprise SOA ist also sehr wichtig für uns.

Um vorhandene Computer-Ressourcen immer den wichtigsten Geschäftsprozessen zuordnen zu können, verbinden wir in einer konkreten Anwendung Virtualisierungs- mit Geschäftsregeln. Dies geht am einfachsten mit Enterprise SOA. Die Enterprise Virtualization Community arbeitet an entsprechenden Lösungen.

Ein Blick in die Zukunft: Ist Virtualisierung ein wichtiger Trend oder wir es zurzeit überbewertet?

Vishal Sikka: Virtualisierung ist ein dauerhafter Trend. Die Technologie ist ein wichtiger Baustein, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können und Software so zu entwickeln, dass sie gleichzeitig langlebig und anpassungsfähig, zuverlässig und stets aktuell ist. Momentan liegt der Fokus auf den verschiedenen Formen der Infrastruktur-Virtualisierung, Cloud Computing gehört ebenso dazu.

Wir glauben, dass Cloud Computing eine zunehmend wichtigere Rolle spielen wird. Plattformanbieter für Cloud Computing wie Amazon, Micorosoft, IBM und T-Systems investieren in hochentwickelte Rechenzentren, die durch gewaltige Skaleneffekte die Kosten erheblich verringern können. Ohne Clouds werden Unternehmen feststellen, wie schwierig es wird, eigene Rechenzentren zu solch geringen Kosten zu betreiben.

Ich sehe Virtualisierung daher als eine treibende Kraft für den gesamten IT-Sektor. Damit der gesamte Markt von einer automatisierten, integrierten Virtualisierung profitiert, sind branchenübergreifende Lösungen und neue Konzepte gefragt. Beides werden wir in der Enterprise Virtualization Community entwickeln.

(pp)

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